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Ich habe mir also endlich so eine Kiste gekauft, nachdem ich lange Zeit unschlüssig gewesen bin. Bereits die Vorgängermodelle N770 und N800 hatten mein Interesse geweckt, ich war auch schon kurz davor mir ein N800 zu holen, als das N810 vorgestellt wurde. Eine eingebaute Tastatur ist schon etwas schickes, vor allem wenn man wie ich überwiegend Instant Messaging als Kommunikation betreibt. Akkulaufzeit und Stabilität sind auch wichtig, aber da hatte ich bei Nokia wenige Bedenken und war schon mit der Verarbeitung und Konstruktion der Vorgänger des N810 ganz zufrieden.
Ein großes Display mit hoher Auflösung ist nett, aber mit hätten auch 320x200 Bildpunkte gereicht, wenn ich darauf Buchstaben in einer Shell hätte vernünftig lesen können. Von diesen niedrigen Anforderungen ausgehend ist das Display sowohl in Auflösung, Helligkeit wie auch Kontrast und Geschwindigkeit sehr gut. Man kann auf dem Ding sogar Filme sehen, besser als auf meinem iPod jedenfalls. Die Auflösung ist so gut, dass man winzige Schriftgrößen einstellen kann, die trotzdem noch völlig scharf abgebildet werden. Selbst komplexere Webseiten werden gut dargestellt und anders als bei vielen PDA und Handys muss man beim Websurfen verhältnismäßig wenig hin und her scrollen. Die Tastatur ist grundsätzlich benutzbar, selbst längere Chats sind damit möglich, allerdings ist sie nicht wirklich gelungen. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt, sind aber recht schwergängig, was bei einer so kleinen Tastatur irgendwie irritierend ist. Die Größe der Tasten ist ok, man drückt eher selten daneben oder auf zwei gleichzeitig. Alle Tasten sind mehrfach belegt, was bei einer PDA-Tastatur nichts ungewöhnliches ist, nur die Verteilung ist irgendwie nicht gelungen. Ausgerechnet so oft benutzte Zeichen wie € und ~ (ja, ich bin shell-Nutzer ;-)) liegen ganz nahe an der Fn-Taste, mit der man diese Zeichen erreicht. Auch Shift und Y verwechsle ich oft, wobei ich mich da sicherlich dran gewöhnen werde. Nett ist auch die Beleuchtung der Tastatur, die auf die Umgebungshelligkeit reagiert und sich automatisch ein- und ausschaltet. Das ist sinnvoller, als man im ersten Moment denkt, gerade wenn man das Ding wie ich in den unterschiedlichsten Situationen benutzt. Es gibt noch ein paar Zusatztasten am Gerät, mit denen der Cursor, Lautstärke und ähnliche Funktionen direkt aufgerufen werden können, ohne den Stift für den Touchscreen rausholen zu müssen. Insgesamt sind auch die benutzbar, wenn ich auch die Bedienung für nicht ganz intuitiv halte. Apple hätte das sicher besser gemacht. Aber die Bedienung ist dadurch keineswegs umständlich, man muss nur ein wenig probieren, welche Taste bei welcher Anwendung wie reagiert. Zur Connectivity gibts nicht viel zu sagen. Es gibt WLAN, welches übrigens deutlich besser funktioniert als beim N800 und Bluetooth, worüber sich Tastaturen und Headsets anbinden lassen. Eine Bluetooth-Maus habe ich allerdings nicht zum funktionieren bringen können. Wer keine großen Anforderungen an bestimmte Software hat, kann mit einer externen Bluetooth-Tastatur ohne Probleme auch lange Texte eingeben, Performance und Display geben das her. Ein Notebook ersetzt es aber nur in Ausnahmefällen, es ist wirklich nur ein Gerät, welches man immer bei sich hat, um schnell ins Internet zu geht oder einen Server wieder hochzubringen. Zur USB-Anbindung würde ich weiter unten noch etwas sagen. Auch als MP3-Player taugt es ganz gut, die eingebauten Lautsprecher klingen sogar erstaunlich gut und dürften wohl das Beste sein, was es in dieser Größe überhaupt gibt. Trotzdem sollte keiner von den eingebauten Lautsprechern Hifi-Sound erwarten. Die Qualität über die Kopfhörerbuchse hält locker mit teuren MP3-Playern mit und selbst mit mittelmäßigen Kopfhörern erreicht man das iPod-Niveau. Da ich sehr viel Musik mobil höre, habe ich mir einen sehr guten Bose-Kopfhörer zugelegt, dessen Dynamikumfang und Brilianz von dem N810 sogar besser ausgenutzt wird als von einem iPod G5. Als Videoplayer taugt das Gerät auch, wie oben schon geschrieben sogar besser als der iPod, weil das Display besser ist, vor allem aber weil das N810 viel mehr Videoformate unterstützt, wenn nicht out of the box, dann über zusätzliche Software. Und da sind wir schon bei einem der Hauptgründe, weshalb ich mir das N810 zugelegt habe und kein anderes Gerät. Es kommt von Haus aus mit Linux, auch wenn der normale User damit nicht in Berührung kommt. Es hat eine funktionale Benutzeroberfläche, die das Linux komplett ausblendet, aber es bietet mir trotzdem die Möglichkeit mit der Kiste softwaremäßig zu machen, was ich möchte. Es gibt bereits sehr viel Zusatzsoftware, die man einfach installieren kann, uch ohne Linux-Kenntnisse. Allerdings hat man mit entsprechendem Wissen die Möglichkeit auf dem Ding weitestgehend alles zu tun, was man will. Und genau darauf kommt es mir an. Wenn ich Klickibunti haben will, dann hole ich mir ein iPhone und verdumme mit den anderen Apple-Untertanen. Trotzdem ist das Gerät definitiv Dau-kompatibel, die installierte Software deckt so gut wie alle Bedürfnisse der mobilen Internetnutzung ab: Email, Instant Messaging, VoIP, Webbrowser, Streaming und noch viele Kleinigkeiten, die auch gut in das Betriebssystem eingebunden sind. Selbst Flash (Youtube und Co.) funktioniert einfach so. Was allerdings fehlt ist eine Kalenderapplikation, aber Nokia verkauft das Gerät ausdrücklich nicht als PDA und es ist nur eine Frage der Zeit, bis entweder eine brauchbarer Kalender verfügbar ist oder Ubuntu die Mobile Edition seiner Distribution herausgebracht hat und da wird sowas dabei sein. Mir fehlt der Kalender nur bedingt, aber eine Terminverwaltung mit Todo-Listen ist schon nützlich, wenn man unterwegs ist. Zumindest bei den Todos behelfe ich mir derzeit mit der Notizapplikation. Die Killerapplikation für mich ist allerdings Skype. Neben der vorinstallierten SIP-Software kann man sich einen Skype-Client für das N810 herunterladen und das Gerät als mobiles Skype-Telefon benutzen. Da ich nicht-quelloffener Software im Allgemeinen und Skype im Speziellen nicht traue, möchte ich so etwas nicht auf meinem Arbeitsrechner oder Notebook haben, wo ich sensible Daten habe. Das auf dieses kleine Gerät auszulagern ist in zweierlei Hinsicht praktisch, ich halte meine Rechner sauber und habe trotzdem eine Möglichkeit mobil zu telefonieren. Mit dem Inkrafttreten der Vorratsdatenspeicherung habe ich das Handy praktisch aufgegeben, genauso das Telefonieren über das Festnetz. Skype bzw. SIP bieten mir einen Weg, mich durch die Totalüberwachung der Kommunikation hindurchzumogeln. Einfach einen ausländischen SIP-Provider benutzen und eine verschlüsselte Verbindung aufbauen, sofort sind die (deutschen) Staatssicherheitsbehörden aussen vor und die ausländischen Behörden müssten erst einmal ein Interesse daran haben, sich in deutsche Telefonverbindungen einzuklinken (was schwer fällt wegen der Verschlüsselung), Datamining über die Verbindungsdaten fällt ebenfalls wesentlich schwerer, wenn es nicht gar unmöglich wird, nicht weil es technisch nicht geht, sondern weil es zu viele Hürden in der Zusammenarbeit der Überwachungsbehörden gibt. Viele werden sagen, dass N810 ist kein Ersatz für ein Handy. Ja, ist es nicht, soll es auch nicht sein. Durch das fehlende GSM oder UMTS kann man nur dann telefonieren oder ins Internet, wenn ein WLAN oder eine Bluetooth-Verbindung (was auch über ein Handy oder einen PC geht) verfügbar sind. Allerdings kann ich aus meiner täglichen Praxis sagen, dass ich an allen Orten, wo ich mich regelmäßig aufhalte (Büro, zu Hause, Hackerspaces etc) so etwas verfügbar ist und wenn ich unterwegs mal schnell eine Verbindung brauche, habe ich bisher immer binnen weniger Minuten ein offenes WLAN (die ich natürlich nur mit der Zustimmung des Besitzers benutze!) gefunden. Zumindest in der Stadt reicht mir die Stufe der Erreichbarkeit aus, auf dem Land ist das noch einmal etwas anderes, aber auf dem Dorf bin ich so gut wie gar nicht und daher ist mir das egal. Etwas nervt mich aber wirklich an der Kiste. Das N810 kann mit Mini-SD-Karten erweitert werden. Mit den 2GB an internen Speicher kommt man eigentlich recht weit, aber wenn man es als MP3-Player nutzt, dann wird es eng. Der Kartenslot befindet sich an der Unterseite und die Karte muss relativ weit hinein geschoben werden. Das ist mit meinen Fingern kaum möglich oder ich habe die Technik noch nicht ganz verstanden. Der interne Flash-Speicher wie auch die SD-karte können am Computer via USB als Festplatten gemountet werden, sie verhalten sich wie jeder gewöhnliche USB-Stick. Das ist ziemlich cool, weil man so weder eine Zusatzsoftware benötigt, um an Daten auf dem N810 zu kommen, noch dass man vom Betriebssystem abhängig wäre. Ich habe das N810 bisher problemlos unter FreeBSD, OpenBSD, NetBSD, diversen Linuxen und MacOS auslesen können. Windos habe ich mangels Rechners, auf dem das läuft, nicht probieren können.
Fazit
Das Nokia N810 ist ein cooles kleines Device, was ich weder in meiner täglichen Arbeit, noch wegen seines Hack-Faktors missen möchte. Performance, Ausstattung und Usability sind gut bis sehr gut, der Support mit Software im Vergleich zu anderen derartigen Geräten sogar hervorragend. Es ersetzt kein Notebook, ist aber eine schöne Ergänzung sowohl für einen normalen PC, als auch zu einem Notebook. Alex |