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Dass Linux den Desktop erobert, wird schon seit mehr als fünf Jahren behauptet. Statt der erwarteten Revolution hat sich Linux heimlich und ohne großes Aufsehen als Zweitbetriebssystem auf vielen Computern eingenistet, vor allem für die Arbeit im Internet, weil Windows mit seinen vielen Problemen (Viren, Würmer, Trojaner usw.) einfach zu stressig geworden ist. Windows sicher in den Griff zu bekommen ist inzwischen schwerer geworden, als ein Linux zu installieren, weshalb zunehmend Anfänger Linux installieren wollen und dann vor der Frage stehen, welches Linux das beste ist. Dieser Text soll einen kurzen Überblick über die Auswahl der Linux-Distrubution geben. Einen kompletten Überblick über alle 200 oder mehr Linux-Distributionen zu geben, würde den Rahmen dieses Textes sprengen, weshalb ich nur auf die wichtigsten eingehe. Gerade für Anfänger macht es wenig Sinn, eine exotische Distribution zu installieren, wo sie kaum Hilfe finden. Gerade der Punkt, dass man bei einem Umstieg immer Hilfe benötigt, gehört meines Erachtens zu den größten Problemen an einem Umstieg überhaupt. Entsprechend viel Beachtung würde ich als Anfänger diesem Punkt wittmen. Am besten man fragt vorher, wer im Bekanntenkreis sich mit welcher Distribution auskennt. Allgemeine Hilfe sollte eigentlich jeder bieten können, der sich mit Linux auskennt.
Slackware

Eine der ältesten, wahrscheinlich sogar die älteste noch existierende, Linux-Distributionen überhaupt. Sie ist sehr sauber und übersichtlich gestaltet, an einigen Punkten recht spartanisch und erfordert einiges an Handarbeit. Wer Linux erleben möchte, wie es einmal war oder eine aufgeräumte Distribution sucht, ist hier sicher nicht falsch. Erfahrungen mit Linux sollte man allerdings haben. Für Anfänger ist sie nicht geeignet. Slackware ist frei als Download erhältlich, weitere Informationen gibts auf der Homepage: http://www.slackware.org
Debian

Debian ist eine sehr ausgereifte Distribution, die besondere Aufmerksamkeit auf freie Software, Stabilität und Konsistenz legt. Allerdings hat dieses Ansinnen den Nachteil, dass die ausgelieferte Software mitunter sehr alt ist und das Nachinstallieren aktuellerer Software manchmal mit erheblichen Problemen verbunden ist. Anfängern kann man diese Distribution nicht empfehlen, da sie ein recht hohes Wissen voraussetzt. Eigentlich sind die großen Tage dieser Distribution inzwischen vorbei, leider muss man sagen. Interne Streitigkeiten bei den Maintainern und Probleme bei der Zusamenarbeit haben den einstmals ausgezeichneten Ruf dieser Distribution angekratzt und bevor diese Sachen nicht geklärt sind, würde ich selbst Profis von der Installation von Debian abraten. Es kam in der Vergangenheit vor, dass Sicherheitslücken über Wochen ungepatcht blieben, nur weil die Maintainer von Debian es nicht auf die Reihe bekommen haben, ihre internen Zuständigkeiten zu klären. Trotzdem ist Debian nach wie vor eine der am häufigsten benutzen Distributionen, einige setzen sie seit vielen Jahren ein oder andere Distributionen benutzen Debian als Basis, weil es komplett aus freier Software besteht und somit von jedem nach eigener Lust und Laune verändert und weitervertrieben werden darf. Debian kann frei im Internet heruntergeladen werden. Die Webseite lautet: http://www.debian.org
Update
Inzwischen hat Debian die Probeme mit den Sicherheitsupdates in den Griff bekommen.
Fedora (Redhat)

Aus der kommerziellen Linux-Distribution von Redhat ist die freie Version Fedora Linux hervorgegangen. Inzwischen wird Fedora von einer Usergemeinschaft gepflegt und ist sozusagen das Experimentierfeld von Redhat. Neue Sachen werden in dieser Distribution ausprobiert und wenn sie sich bewähren, halten sie Einzug in die kommerzielle Redhat-Distribution. Durch die große Community erhält Fedora sehr viel Unterstützung, die mitgelieferte Software ist recht aktuell und es gibt sehr viel Zusatzsoftware im Internet, die sich leicht installieren lässt. Ausserdem erhalten Anfänger schnelle und kompetente Hilfe in den Support-Foren des Projekts oder es finden sich immer Leute, die sich damit auskennen im Freundeskreis, weil diese Distribution sehr weit verbreitet ist. Insgesamt kann man zu Fedora sagen, dass es eine recht übersichtliche und gut zu handhabende Distribution für so gut wie alle Zwecke ist, egal ob man einen Arbeitsrechner oder einen Server damit betreiben möchte. Die Hardwareerkennung ist ausgereift und erkennt in den meisten Fällen alle Geräte korrekt und installiert automatisch die richtigen Treiber, so dass man innerhalb kurzer Zeit ein lauffähiges Linux auf seinem PC hat. Für mich ist diese Distribution einer der zwei Favoriten, wenn es um Anfängertauglichkeit geht, auch wenn einige Sachen im ersten Moment nicht ganz so offensichtlich sind. Zum Beispiel gibt es ähnlich wie bei Debian eine strikte Trennung zwischen freier und unfreier Software. Um rechtliche Probleme beim Vertrieb der Distribution zu vermeiden, wurde konsequent auf alles verzichtet, was eventuelle juristische Folgen haben könnte. So ist die Software zum Abspielen von MP3 im Internet frei verfügbar, aber da MP3 als solches teilweise auf patentierten Vefahren beruht, hat man sich entschlossen, diese Software nicht mit der Kerndistribution auszuliefern. Man kann diese Sachen aber relativ einfach über Server, die von Fedora-Sympatisanten betrieben werden, herunterladen. Die offizielle Webseite von Fedora lautet: http://fedora.redhat.com/
Ubuntu

Ubuntu ist eine auf Debian basierende und für mein Verständnis sehr gute Distribution. Sie besteht, wie Debian und Fedora auch, aus ausschließlich freier Software, die insgesamt ziemlich aktuell ist. Im Gegensatz zu Fedora muss man bei Ubuntu nur ein paar Klicks machen, um nichtfreie Software zu installieren, insgesamt sehr praktisch und vor allen für Anfänger sehr hilfreich. Dass diese Distribution auf Debian basiert, bekommt der normale User kaum mit, da die Hardwareerkennung und die automatische Konfiguration um Welten moderner ist als bei Debian. Wie bei Fedora gibt es eine große Gemeinschaft, wo man Hilfe und Unterstützung bekommt. Technisch unterscheidet sich Ubuntu ein wenig von anderen Distributionen. Zum Beispiel gibt es von Haus aus keinen allmächtigen Root-Account (bzw. ist der deaktiviert), das zwingt den Benutzer mit eingeschränkten Rechten zu arbeiten und erhöht dadurch die Sicherheit. Sollten irgendwo Administratorrechte nötig sein, fragt Ubuntu nach dem Passwort und gewährt genau für diese eine Aktion die entsprechenden Rechte. Vor allen Anfänger, die wenig Ahnung von Zugriffs- und Benutzerrechten haben, ist das eine wirkliche Hilfe nicht unbedacht irgenbdwelche Fehler zu machen, die die Sicherheit oder Stabilität des Systems gefährden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Ubuntu nicht alle mögliche Software installiert, sondern für jeden Zweck genau ein Programm. Dadurch wird nicht nur die Festplatte nicht unnötig zugemüllt, auch werden Anfänger nicht vor die Wahl gestellt, welchen der fünf Webbrowser oder drei Email-Clients sie benutzen sollen. Selbstverständlich ist es jederzeit möglich sich eine alternative Software zu installieren, wenn man es denn möchte. Die Voreinstellungen sind allerdings sehr sinnvoll und die übersichtlichen Menüs und das klare Benutzerkonzept helfen vor allen Leuten, die mit dem Linux-Desktop noch nicht so firm sind, sich schnell zurechtzufinden. Eine Eigenheit sollte man allerdings nicht verschweigen. Die Installations-CD von Ubuntu enthält nur ein Rumpfsystem und viele Programmpakete werden wärend der Installation aus dem Internet heruntergeladen. Das bedeutet, dass man während der Installation eine funktionierende Internetverbindung braucht. Idealerweise sollte das DSL sein. Modem oder ISDN funktionieren grundsätzlich auch, aber da unter Umständen mehrere hundert Megabyte heruntergeladen werden müssen, würde das mit Modem oder ISDN einfach sehr lange dauern. Ist das System einmal installiert, kommt man durchaus mit Modem aus. Ubuntu kann frei im Internet heruntergeladen werden. Die Homepage von Ubuntu lautet: http://www.ubuntulinux.org/
Update
Ubuntu gibt es in mehreren Versionen mit verschiedenen Zielsetzungen. Neben der Desktop-Version gibt es in zwischen auch eine Server-Version, welche die Vorteile von Debian mit wesentlich aktuellerer Software und den Features von Ubuntu kombiniert, die dazu noch einen sehr langen Support seitens des Herstellers garantiert hat, was häufigen Umstieg auf neue Versionen unnötig macht und was bei Servern oft nicht gewünscht ist. Insgesamt ist es eine wirklich gute Wahl für eine Serverinstallation. Aber auch die Desktop-Varianten sind zahlreicher geworden. Neben der Optimierung für verschiedene Prozessorgenerationen gibt es auch eine Version namens Kubuntu, welche statt dem Gnome-Desktop ein KDE mitbringt und eine Variante namens Edubuntu, welche besonders auf die Anforderungen von Schulen ausgerichtet ist. Seit der Version 6.06 kommt Ubuntu als Live-CD, das heisst das ganze System ist ähnlich wie Knoppix von CD ausführbar und muss nicht auf Festplatte installiert werden. Damit kann man Ubuntu erst einmal ausprobieren, bevor man es auf seinem Computer installiert oder mal eben bei einem Freund ein richtiges Betriebssystem booten, wenn der sich nicht von seinem Windows trennen will. Auch das Installationsprogramm ist bei den Desktop-Versionen von Ubuntu überarbeitet worden und noch einfacher zu benutzen. Auch die Menge der Dateien, die bei der Installation aus dem Internet gezogen werden müssen, ist deutlich gesunken und es ist sogar möglich Ubuntu ganz ohne Internetzugang zu installieren und die benötigten Pakete und Updates später downzuloaden. Vor allem Modem-User werden das zu schätzen wissen.
Suse
Die wohl bekannteste Distribution in Deutschland, aber auch eine der umstrittesten. Für die einen ist es eine anwenderfreundliche Windowsalternative, für die anderen das Windows aus Erlangen. Meine Erfahrungen mit Suse liegen noch vor der Übernahme durch Novell, aber wie man so liesst hat sich nicht viel geändert. Grundsätzlich hat Suse eine gute Hardwareerkennung und auch die Konfiguration des Systems ist ganz in Ordnung. Aber Suse steht nicht umsonst in dem Ruf mehr mit Windows gemein zu haben, als manchmal gut ist. Nach meiner Erfahrung muss man bei Suse immer mit seltsamen kleinen Nebeneffekten rechnen, die vor allem Anfängern das Leben schwer machen können. Insgesamt halte ich Suse für überladen, verscriptet und unübersichtlich und kann eigentlich nicht so richtig eine Empfehlung für Anfänger aussprechen. Novell plant bei Suse einen ähnlichen Schritt zu tun wie Redhat mit Fedora, also die Desktop-Version seiner Distribution an eine Usergemeinschaft zu übergeben, die sie weiterentwickelt und betreut. Ob das gut oder schlecht ist, wird die Zukunft zeigen. Hier ist zumindest die Homepage von Suse-Linux: http://www.novell.com/de-de/linux/suse/index.html?sourceidint=hp_products_suselinux
Update
Inzwischen ist OpenSuse draussen und hat sich als solide Distribution erwiesen, die man auch Anfängern raten kann. So richtig kann ich mich nicht dafür erwärmen, weil mir die Distribution nach wie vor zu überladen ist. Ein nettes Feature ist die Verschlüsselung des Homeverzeichnisses, welches man per Mausklich aktivieren kann. Das ist schon mal ein grundsätzlicher Schutz der Daten auf dem System, auch wenn für eine Rundumabsicherung noch einiges mehr getan werden muss, zum Beispiel die Verschlüsselung der Temporärverzeichnisse und des Auslagerungsspeichers, weil sich dort ebenfalls Informationen ansammeln können, die niemanden etwas angehen. Trotzdem ist es ein Feature, das sich andere Distributionen ruhig abschauen könnten.
Mandriva

Mandriva entstand durch den Zusammenschluss zweier Linux-Distributionen: Mandrake und Connectriva. Meine Erfahrungen beziehen sich hauptsächlich auf Mandrake, weil ich damit mehr Erfahrungen habe. Im Großen und Ganzen ist es eine solide Distribution, die auch für Anfänger geeignet ist. Die Verbreitung ist nicht so groß wie bei Suse oder Fedora, demzufolge auch die Chance jemanden in der Nachbarschaft zu finden, der es benutzt und einem helfen könnte, geringer. Mandriva ist eine kommerzielle Distribution, die es auch als Downloadversion gibt. Die Webseite: http://www.mandriva.com/
Gentoo

Gentoo ist eine sehr flexible und mächtige Distribution, genauer gesagt ist es keine Distribution, sondern eine Art Baukasten. Anders als bei den anderen Linux-Distributionen befindet sich auf der Installations-CD ein Live-System, mit dessen Hilfe man sich sein eigenes Linux zusammenbaut. Das hat viele Vorteile, erfordert andererseits auch viel Wissen. Für Anfänger ist Gentoo definitiv nicht geeignet. Erschwerend kommt hinzu, dass Gentoo nach wie vor ein wenig experimentell ist und man mit teilweise seltsamen Effekten und Problemen rechnen muss. Andererseits erhält man damit ein genau zugeschnittenes und sehr performantes Linux. Die Homepage: http://www.gentoo.org
Knoppix

Knoppix ist keine Distribution im engeren Sinne, sondern ein Linux zum Ausprobieren. Es startet direkt von CD und muss nicht auf dem Computer installiert werden. Es richtet sich an alle, die Linux einmal ausprobieren möchten, bevor sie ihren Computer umstellen. Neben dem Testen eignet sich Knoppix auch gut zur Fehlersuche bei Computern, die nicht mehr von Festplatte starten oder als Basis für Virenscanner. Die Homepage: http://www.knoppix.org
BSD

BSD ist nicht Linux, aber weil die verschiedenen BSD-Varianten oft in einem Zug mit Linux genannt werden, sollen sie auch hier nicht unerwähnt bleiben. In Kürze, BSD und Linux sind sich sehr ähnlich, auch wenn es Unterschiede gibt. Auf diese im Einzelnen einzugehen, würde den Rahmen des Textes sprengen. Anders als Linux gibt es bei BSD keine verschiedenen Distributionen, sondern jedes BSD existiert als exakt eine eigene Distribution, es sind also verschiedene Betriebssysteme. Dadurch konnte BSD sich viel konsistenter und systematischer entwickeln als Linux, andererseits sind viele Entwicklungen von Linux an BSD vorbeigegangen. Die Installation von BSD erfordert nach wie vor deutlich mehr Kenntnisse als die der meisten Linux-Distributionen. Ausserdem gibt es bei Linux mehr Treiber für aktuelle Hardware als bei BSD. BSD hingegen ist deutlich stabiler als Linux und dadurch vor allem bei Servern sehr beliebt. Anfänger sollten sich erst einmal eine der leichter zu installierenden Linux-Distributionen ansehen, bevor sie sich an BSD wagen. Es gibt mit PC-BSD zwar den Versuch eines einfach zu installierenden und konfigurierenden BSD für den Desktop, die oben genannten Linux-Distributionen sind trotzdem für Anfänger meist die bessere Wahl.
Ein Überblick über die BSD-Derivate:
http://www.freebsd.org http://www.netbsd.org http://www.openbsd.org http://www.pcbsd.org
Alexander Heidenreich
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